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Das Rittergut Bösenbrunn
Das Rittergut war einst ein Vorwerk unter der Herrschaft der "Geilsdorfer Säcke".
Dies ist 1440 erstmals urkundlich belegt.
1496 kommt eine Familie "von Zedwitz" als Anteilhaber mit ins Spiel
Haupterbe war jedoch Nickel Sack zu Geilsdorf. Ihm wurde 1515 vom sächsischen Kurfürsten die Obergerichtsbarkeit und die Bergwerksgerichtbarkeit verliehen. Dies bdeutete, daß er z.B. über seine Güter, Steuern Untertanen oder Metalle aus den Bergbaugebieten die volle Entscheidungsfreiheit besaß.
Das erwies sich als sehr wertvoll für seinen Besitz, da um 1520 die Blüte des Zinnbergbaues begann.
1560 nennt sich Hans zu Geilsdorf zu Bösenbrunn. Seit dieser Zeit wird von einem Rittergut gesprochen.
In der zweiten Hälfte des 16.Jhd. unterliegt Bösenbrunn einem Besitzerwechsel.
Es erscheint die Familie "Tettau" Diese Herrschaft war nur von kurzer Dauer, denn Ende des 16.Jhd. war das Rittergut bereits im Besitz der "Familie Neidberg" Dem Bergbau war die Familie weniger Freundlich gesinnt. Nur wiederwillig haben Sie 1711 die Fuchsmühle verpachtet. Das war notwendig um dem Grubenwasser der hier arbeitenden Grube "Hoff auf Gott" entgegen zu wirken. Das war eine der bedeutenden Zinnzeche. Später erbrachte Sie ca. ¾ der im Vogtland geförderten Kupfererze und gehörte somit zu den erfolgreichsten der Region.
1727 wird der Rittersitz Bösenbrunn abgebrochen und neu aufgebaut. Ein Allianzwappen der Besitzer ist bis heute erhalten geblieben und über der Eingangstür zu sehen. ( Initialen: P.F.v N und A.S. v P -Philipp Ferdinand v. Neidberg und Augusta Sophia von Pöllnitz)
Von 1738 -1752 war die "Familie von Tützschler" ansässig:
Anschließend begann die Herrschaft "der Familie von Brandenstein"
Von 1783 - 18 wird die "Familie Seydel" erwähnt.
Nächster Rittergutsbesitzer ist ein "Herr Schaumberg", ein Schwager der Familie Seydel. Dieser hat noch zu lebzeiten etwa 1850 wegen Kinderlosigkeit das Rittergut an Carl Friedrich Wauer übergeben. Aus dieser Zeit stammt wahrscheinlich auch der Röhrenbrunnen an der Drödaer Straße, welcher üblicherweise an Rittergütern zu finden war.( Die Initialen C.F.W. deuten darauf hin)
1856 verliehrt das Rittergut seine volle Gerichtsbarkeit und unterliegt ab sofort dem Oelsnitzer Gerichtsamt.
Im selben Jahr wird auch die bis dahin eigenständige Pfarrkirche in Bösenbrunn Filialkirche von Dröda.
Im Jahr 1894 war Gertrud Caspari, eine später bedeutende Kinderbuchillustratorin als Hauslehrerin für die Töchter des Rittergutsbesitzers.Sie verrichtete das Amt 1 ½ Jahre. Neben der Illustration von Kinderbüchern entstanden aus ihrer Feder Fibeln, Wandbilder und Einbandzeichnungen. Ihre Werke wurden erst spät (80 er Jahre) gewürdigt.
1901 wird die Gesamtgröße des Rittergutes mit 278 ha ( der Hälfte des Dorfes Bösenbrunn) angegeben.
Damit war es der fünftgrößte Rittergutsbesitz der Amtshauptmannschaft Oelsnitz. Außerdem gehörten zum Gut: ein Teich. ein U - förmiger Hofraum, Brennerei, Stall und Wirtschaftsgebäude.
Nach dem ersten Weltkrieg, etwa um 1920 wird der Besitz vom Nähmaschienenfabrikanten Dr. Naumann gekauft und 1929 weiterverkauft an den Teppichfabrikanten Koch (Dies ist wegen fehlender Quellen nicht exakt zu bestimmen, jedenfals erscheint 1930 als Besitzer Karl, Hans, und Wilhelm Koch)
Durch die wohlhabende Familie wurde die Innenausstattung gründlich erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch der wunderschöne Kachelofen im Saal. Das Rittergut beschäftigte damals eine Handvoll Landarbeiter, Knechte, Mägde sowie einen Gutsinspektor.
Nach dem zweiten Weltkrieg 1945 wurde mit der Bodenreform das Land enteignet und an Bösenbrunner Bauern verteilt. Es entstanden 11 Neubauernstellen und 19 Kleinbauern
Das Rittrgutsgebäud selbst wurde nach 1945 als Schule genutzt. Im Nordflügel fand der Rat der Gemeinde sein Domizil. Ab 1966 besuchen die Schüler die Schule in Bobenneukirchen. Die im Bösenbrunner Rittergut frei gewordenen Räume werden nach einem Umbau als Klubraum, Ortsbibliothek, GST-Zimmer und Konsumverkaufsstelle genutzt.(1974)
Der Keller mit seinem sehr schönen Kreutzgewölbe diente als Lagerraum. Im ersren Stock entstanden 2 Wohnungen. Das ehemalige Rittergut ist stark verändert. Verschwunden sind Torsäulen, Wirtschafsgebäude und Küchenteich. Dieser wurde in den 70er Jahren wegen Verschlammung und üblen Gerüchen verfüllt. .Auf dem Gelände findet nun jedes Jahr das traditionelle Bösenbrunner Dorffest statt.
Mit der Gründung der Einheitsgemeinde Bösenbrunn 1994 wurde das Rittergut Verwaltungssitz der Kommune.1997 lief mit der Rekonstruktion des Klubraumes die erste Baumaßnahme an. Als Bösenbrunn 1997 Förderdorf wird, steht einer kompletten Sanierung nichts mehr im Wege.
1998 wurde das Erdgeschoß umgekrempelt. Zum Vorschein kamen Rundbogen und Nischen, die wieder hervorgehoben werden sollen. In den nächsten Jahren wird sich entscheiden, wie es mit dem maroden Dach weitergehen soll. Tragende Balken wurden hier irgendwann zersägt und so neigt sich der Gibel nach außen. Eine Notsicherung ist dringend erforderlich. Laut Nutzungskonzept wurde im Gebäude eine Gaststätte untergebracht. Im Jahr 2003 wurde die Gaststätte wieder geschlossen. Das Ziel soll es sein, Kultur und Begegnungszentrum zu werden.




