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Das Pechsieden
Das Pechsieden war neben der Perlenfischerei und Flößerei ein wichtiges Gewerbe im Vogtland.
Auf Grund des großen Waldbestandes darf angenommen werden,dass die Pechsiederei bereits frühzeitig als Erwerbsmöglichkeit diente.
Die erste urkundliche Erwähnung des Pechbrennens ist aus dem Jahre 1426, wo das Pechbrennen auch als „Pichen“ oder „Harzweide“ bezeichnet wird.
Das Recht eine solche „Harzweide“ zu verleihen stand nur dem Landesfürsten zu. Er erhob darauf auch einen „Pechzins“ der meist aus einer Pechlieferung bestand.
In der Regel wurde die Pechsiederei neben den Rittergütern von Pechgewerken (eine Art genossenschaftlicher Zusammenschluß) betrieben, denen das Recht der „Harzweide“ zugesprochen wurde.
1867 wurden aus vogtländischen Wäldern ca. 53.800,00 kg Pech gewonnen.
In den Fichtenwäldern fand man den notendigen Rohstoff Harz.
Die Picher schnitten im Frühjahr in die Rinde gesunder kräftiger Bäume, um sie zum „Bluten“ zu bringen. Das Einsammeln des an der Luft getrockneten Harzes erfolgte im Herbst.
Die Verarbeitung geschah in der Pechhütte. In einem großen Kessel wurde dann das Harz über dem offenen Feuer gesotten und gereinigt, mit einem Kupferlöffel abgeschäumt und somit von grober Verunreinigung befreit. Es entstand das goldgelbe Pech.
Über dem offenen Feuer in der Pechhütte war ein Schornstein angebracht, an dessen Innenseite sich Ruß absetzte. Dieser wurde abgekratzt und in „Rußbutten“ (kleine längliche Fäßchen) zum Verkauf angeboten. Daher stammt sicher auch der im Volksmund anzutreffende Ausdruck „Rußbutt“ bei einem sehr beschmutzten Kind.
Der Betrieb war jedoch so primitiv, dass eine restlose Ausnutzung des Harzes nicht Möglich war.So wurde die Rückstände zusammen mit Holz und Rinde gemischt und in eigens dafür hergerichteten innen ausgehöhlten kesselartigen Steinen angezündet, um das restliche Pech zu gewinnen. Die steinernen Herde, auch „Griebenherde“ genannt waren erhöht stehende Granitblöcke mit einem nach unten verlaufenden Abflußkanal, der es Möglich machte, das Pech in darunterstehenden Gefäßen aufzufangen.
Die „Griebenherde wurden meist außerhalb der Pechhütte aufgestellt. Das machte sich durch das Entstehen von beißenden Rauch und unangenehmen Geruch erforderlich.
Das Pech war allgemein als Wagenschmiere in Gebrauch. Anwendung fand es jedoch auch im Bootsbau sowie bei den Schuh-und Bürstenmachern. Bierbrauer haben damit ihre Eichenfässer „gepicht“ um dem Bier ein schmackhaftes Aroma zu verleihen. Neben dem Terpentinöl ist das Kolophonium (Geigenharz) ein wichtiges Endprodukt, was wiederum Ausgangspunkt für Leim und Lacke war.
Die heilende Wirkung frischen Fichtenpeches nutzte man für kleinere Wunden. Sogenannte Pechpflaster wurden angewandt.
Auch in Bösenbrunn wurde einst Pech gesotten. Neben dem ehemaligen Rittergut links am Weg zur Mühle befindet sich ein alter Holzschuppen, die Pechhütte, eines der ältesten Gebäude im Ort. früher auch „Brauhaus“ „Bräuhaus“ oder „Breihaus“ genannt.
Der Rittergutsbesitzer „Wauer“ läßt 1885 letztmalig Pech brennen. Zuvor geschah dies regelmäßig einmal im Jahr und zwar 14 Tage lang im Herbst.
Ein noch heute am Rittergut vorhandener Griebenherd ist ebenfals Zeuge dieses alten Handwerks.
1921 existierten noch 7, aber bereits 10 Jahre später nur noch 4. Von diesen 4 Herden ist einer dem Frost zum Opfer gefallen, ein anderer ist in den dreißiger Jahren verschwunden. Der dritte laut Apitzsch unsichtbar im Erdreich verschwunden. Der einzige heute noch erhaltene war der größte mit 90 mal 100 cm.