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Landwirtschaft- Geschichte und Entwicklung
Schon zu allen Zeiten war der wichtigste Erwerbszweig in den ländlichen Gegenden der Ackerbau und die Viehzucht.
Der größte Teil der Flächen gehörte zum Vorwerk bzw. Rittergut. Die erwachsenen Kinder der Hofbesitzer mußten zwei Jahre auf dem Herrenhofe dienen.
Der einzelne Bauer hatte bei Lehnsübernahme 10 Pfennig, das entsprach vier Gulden bzw. den zehnten Teil des Wertes des übernommenen Gutes, dem Grundherren, der auch mit der Gerichtsbarkeit betraut war, zu zahlen. Je einen Groschen Lehnszins zu Walpurgis und zu Michaelis und zu Fastnacht und Michaelis eine fette Henne waren als weitere Abgaben zu liefern. Der Amtmann zu Vogtsberg hatte Anrecht auf 3/8 Scheffel (40 l) Zinshafer, und demPfarrer zu Dröda mußte die 30. Garbe geliefert werden.
Die zu Bösenbrunn gehörenden 308 ha landwirtschaftlichen Nutzflächen, bestehend aus 235 ha Ackerland und 68 ha Grünland, gehörten z.B. nach ersten Aufzeichnungen über die Bevölkerungszahl
1557 neben dem Rittergut
13 Hofbesitzern mit je 1 Hufe Land und
2 Gärtnern mit weniger als 1 Hufe Land ( 1 Hufe = landwirtschaftliches Maß, daß
landschaftlich verschieden groß sein kann (7 -15 ha) )
Über hundert Jahre später finden wir in einem Lehensbrief vom 12. August 1681vom Rittergut Bösenbrunn folgendes verzeichnet:
1. Allhier in Bösenbrunn Befinden sich 11 Bauerngüter, 9 Frohngüter, 43 kleine Häußler und eine Mühle, über welche sämtlich das hiesige Ritterguth, bis auf ein einziges Bauernguth worüber denselben nur die Erbgerichte, dem Justizbeamten zu Voigtsberg aber die Obergerichte zustehn, die Erb- und Obergerichtsbarkeit ausübt.
2. Unter hiesiges Rittergut gehören ferner die sogenannte Fuchsmühle am Triebelbach nebst 1Frongute und 4 kleinen Häusern daselbst....
3. Liegt ein Haus in dem angehörigen sogenannten Klingenstein....
4. Gleichgestalt übt auch das hiesige Ritterguth über 1 Bauernguth nebst 5 kleinen Häusern im sogenannten Culm die Ober- und Erbgerichte
Wurde zuerst einfachster Ackerbau (Getreideanbau) betrieben, so begann ca. 1730 der Anbau neuer Kulturpflanzen wie Kartoffeln und Klee. Dies führte zur Fruchtwechselwirtschaft ( Dreifelderwirtschaft )
mit einer verstärkten Bodenbearbeitung. Zur Verbesserung des steinigen Lehmbodens wurde mit der Düngung begonnen. Dies zog eine höhere Viehhaltung nach sich.
Bereits 1848 in einer Beschreibung Bösenbrunns in Huhns Lexikon wird u a. auch eine Schäferei erwähnt.
Die ersten Viehzählungen stammen aus dem Jahre1881. Sie sind jedoch nicht vollzählig erhalten.
1882 gab es in Bösenbrunn 195 Rinder und 10 Pferde. Zum Rittergut gehörten davon 52 Rinder und 8 Pferde.
Ab dem ersten Oktober 1888 trat für die in der Land- und Forstwirtschaft beschäftigten Arbeiter eine Unfall-versicherung in Kraft. Der Vertrauensmann wurde Rittergutsbesitzer Wauer. Zum Stellvertreter bestimmte man Gemeindevorstand Wilhelm Bauer.
1895 betrieben von 106 Haushalten in Bösenbrunn 79 die Landwirtschaft
Ihre Produkte, sofern sie nicht für den Eigenbedarf benötigt wurden , verkauften die Landwirte vorwiegend in den Städten und sicherten somit die Ernährung der Industriearbeiter. Schwere Körbe mit Eiern, Milchprodukten und anderen Lebensmitteln wurde oft zu Fuß in die Städte gebracht und auf Märkten verkauft.
Im Jahre 1900 betrug die Gesamtfläche des Ortes 556 ha. Davon waren 278 ha in Rittergutsbesitz, die sich in 88 ha Felder, 32 ha Wiesen und 157 ha Wald, sowie Hofraum und Teich aufgliederten. Die erforderlichen Arbeiten führten Tagelöhner aus, deren Lohn 1909 beispielsweise zwischen 80 Pfennig und 1,70 Mark betrug. Große Unterschiede bei der Entlohnung gab es zwischen Männern, Weibern und Kindern.
Eine Weiterentwicklung der Landwirtschaft ist aus einer Viehzählung am 2.12.1921 ersichtlich:
17 Pferde, 210 Rinder, 148 Schafe, 75 Schweine, 97 Ziegen, 765 Stück Federvieh, 142 Kaninchen, 40 Bienen bewegliche Waben und 28 Bienen unbewegliche Waben
wurden gezählt.
1923 existierten in Bösenbrunn 24 Landwirte mit je 1,2 bis 8,5 ha Fläche und
7 Bauern mit je 12,8 bis 43 ha Fläche.
Die Bodenreform in Bösenbrunn
1945 am 10. 9. begann mit der Bildung der Kreisbodenkommission die Umsetzung der Bodenreform.
Ein Vorschlag vom Landrat am 25.9. sahen wegen der guten Führung des Rittergutes die Bildung eines Staatsgutes vor.
1946 erfolgte jedoch am 20.1. die Aufteilung der zum Rittergut gehörenden Walflächen und am 21.3. wurde der Aufteilungsplan der landwirschaftlichen Nutzflächen (LN-Flächen) einstimmig angenommen.
Am 23.2. wurde das Rittergut von der russischen Militärregierung an den Landrat übergeben. Von den ehemals
vorhandenen 7 Pferden, 63 Rindern, 155 Schafen, 19 Schweinen und ca. 50 Hünern erhielten die Neubauern jedoch nur 4 Arbeitspferde und 2 Fohlen. Der Rest blieb Eigentum der Roten Armee.
Die enteigneten Flächen des Rittergutes wurden teilweise zur Einrichtung von 11 Neubauernstellen aufgeteilt.
Neubauern wurden die ehemaligen Gutsarbeiter Max Richter; Reinhard Paul, Kurt Heinz, Willi Grünert, Walter Hager, Otto Hager, Fritz Weißhaupt,
und die Aussiedler bzw. Landarbeiter Eichhorn, Jansky, Bruneit und Hammerschmidt.
Außerdem konnten 19 Kleinbauern ihre Landflächen aufstocken.
Für die Übernahme von Land waren Gebühre in Raten zu entrichten:
von landarmen Bauern und kleinen Pächtern 10% der gesamten Summe pro Jahr
von landlosen Bauern, Landarbeitern und Umsiedlern 5% der gesamten Summe pro Jahr.
Im gleichen Jahr wurde die Vereinigung der gegensietigen Bauernhilfe (VdgB) gegründet. Sie übernahm die zum Rittergut gehörenden landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte:
2 Stck gummibereifte Ackerwagen 2 Stck Heuwender 1 Stck höhenverstellbare Greifer
1 Stck Dreschmaschine 1 Stck Vielfachgerät 1 Stck Strohpresse
1 Stck Drillmaschine 1 Stck Silohächsler 1 Stck Saatgutbereiter
2 Stck Düngerstreuer 1 Stck Pferdebinder 2 Stck Kartoffelroder
1 Stck Hackmaschine 1 Stck Zapfwellenbinder 1 Stck Futterdämpfer
2 Stck Grasmäher 1 Stck Heu - und Strohgebläse 1 Stck Milchkühlanlage
und richtete damit 1946/47 eine Maschinenausleihstelle (MAS) ein. Ab 1949 arbeitete die MAS selbständig. Am 14.12.1951 wurde sie zum Volkseigentum erklärt.
1947 wurde zur Sicherung der Feldfrüchte vom 1. Juli bis zum31. Oktober ein ständiger Flurschutz gebildet,.
der die Felder Tag und Nacht bewachen mußte.
Im gleich Jahr waren die Gebäude des Rittergutes wie folgt aufgeteilt.
Herrenhaus Gemeinde als Schule
Wagenschuppen Gemeinde wird als Wohnung ausgebaut
ehem. Brennereigebäude Neubauer Bruneit
Kuhstall Neubauer Hager, Walter
Feldscheune Neubauer Weißhaupt
ehem. Bräuhäusel Aussiedler Hilpert
Geräteschuppen VdgB Gerätelager
ehem. Pferdestall z.Z. Siedler Benitz
1Einfamilienhaus ehem. Schäfer Kammerl
1 Einfamilienhaus Landarbeiter Götz und Schmidt
ehem. Fröbische Haus Neubauer Richter
Am20.10 wird der Befehl 209 der SMAD erlassen,der den Abbruch der Herrenhäuser zur Gewinnung von Baumaterial für Neubauernstellen beinhaltet. Abgebrochen wurde der ehemalige Pferdestall.
Jeder Neubauer erhält einen Baukostenzuschuß von 5000,-RM ohne Rückgabe.
1948 im Bauprogramm sind in Bösenbrunn Walter Eichhorn, Willi Grünert, Rosa Jansky als Neubauernstellen enthalten.
Gründung und Entwicklung der LPG
1953 gründeten am 9.4. im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft neun ortsansässige Bauern ( Herbert
Fineiß, Reinhard Paul, Wilhelm Bruneit, Fritz Hilpert, Max Richter, Kurt Unger, Herbert Eichhorn und Paul Hager ) die 17. landwirtschaftliche Produktionstionsgenossenschaft (LPG) vom Typ I im Kreis Oelsnitz. Sie erhielt den Namen "Friedrich Ebert". Es wurden 61,75 ha Ackerland zusammengelegt und
gemeinsam bewirtschaftet
1955 schloß sich die Bösenbrunner LPG der LPG "Otto Buchwitz" in Schönbrunn an und arbeitete als Typ III.
Der Neuaufbau einer Schafherde erfolgte. Der alte Rittergutsschafstall wurde wieder genutzt. Als Schäfer
arbeitete Kurt Unger,der 1962 eine Auszeichnung für Senkung der Tierverluste erhielt. Später betreuten Willi Jansky und Walter Gruber die Herde.
1959 wurde die erste Melkmaschine im Bösenbrunner Rittergutsstall (Viehstall derLPG) eingebaut. Später wurde ein modernes Melkhaus errichtet
Weitere Bauern traten der LPG bei.
1960 ist Bösenbrunn vollgenossenschaftlich. Es gibt jedoch eine LPG vom Typ I und eine LPG vom Typ III.
1962 erfolgte am 13. 9. die Vereinigung der beiden Typen auf dem Territorium.
1963 vereinigten sich die beiden Genossenschaften "Karl Marx" (Planschwitz, Magwitz) und "Otto Buchwitz"
(Schönbrunn, Bösenbrunn) zur größten LPG des Kreises Oelsnitz. Bewirtschaftet wurden 630 ha LN und
200 ha Wald durch 117 Genossenschaftsbauern und -bäuerinnen Zur LPG gehören bis in die 70er Jahre 6 Kuh- und 3 Jungviehherden, die teilweise auf den Bösenbrunner Fluren am untere und am oberen Triebelbach und an der Fuchsmühle weiden.
1972 erfolgte am 1.1. die Bildung der kooperativen Abteilung Tierproduktion (KAT) Schwein mit Sitz in Schönbrunn.
1973 am 1.3.gründete sich die kooperative Abteilung Pflanzenproduktion (KAP) Schönbrunn-Triebel-Eichigt,
1976 wird die KAT Schwein in die LPG "Otto Buchwitz" eingegliedert.
1977 Gründung der LPG Pflanzenproduktion Triebel am 3.3. Es werden ca. 4000 ha LN bearbeitet.
1987 Umzug der Schafherde in den neuen stll an der Mühlleithe unter dem letzten Schäfer Bernhagen.
1988 Abbruch des alten Schafstalles am 22. und 23. 10. wegen Baufälligkeit bis auf einen später errichteten
Anbau, der erst als Seroannahmestelle und später vom Gemeindebauhof genutzt wurde.
Die LPG Pflanzenproduktion ist ab jetzt unter dem Namen LPG (P) "neuer Weg" Triebel registriert.
1989 Die LPG (T) plant an der Rothleite in Bösenbrunn die Errichtung eines Schweinstalles. Auf Grund der öffentlichen Meinung wird dieses Vorhaben vom Gemeinderat abgelehnt. Der LPG Vorsitzende zieht Antrag zurück.
LPG Vorsitzende seit Gründung
1953 - 1955 Richter, Max
1955 - 1959 Fritsch, Walter Typ III
1.1.1956 - 1961 Kryrim, Herrmann Typ III
1962 1964 Leithold, Gerd
1964 1969 Jahnsmüller, Helmut
1969 1972 Seifert, Lothar
1972 1974 Spranger, Rudi
1973 1975 Grund, Günter KAP
1975 1980 Heidel, Arno
1975 1989 Goldberg, Lothar LPG (P)
1986 1987 Gemeinhardt, Karl
1987 1989 Kessel, Karl
1984 1989 Rank, Klaus (Kooperationsvorsitzender)
Am 1. Januar 1990 wurde die Agrargenossenschaft Triebel, Bestehend aus den LPGen Schönbrunn Triebel und Eichigt gegründet. Sie bewirtschaftete ca. 3500 ha landwirtschaftliche Nutzfläche.
Diese Genossenschaft wurde am 1. Juli 1991 in die Agrar GmbH Vogtland, Eichigt & Co. Betriebs KG mit Sitz in Eichigt umgewandelt.
Seit dem 1. Juli 1992 ist die noch heute bestehende Agrofarm 2000 Gmbh Eichigt eine Tochtergesellschaft.
Geschäftsführer seit 1990 ist Klaus Rank.
Die Produktionsbedingungen in der Landwirtschaft haben sich seit 1991 grundlegend gewandelt.
Bedingt durch die Milchquotenregelung der EU (Europäische Gemeinschaft) wurden die Viehbestände reduziert.In Bösenbrunn werden nur in den Wintermonaten noch Mutterkühe im "neuen Schafstall" eingestallt
Von 30 Arbeitskräften aus Bösenbrunn 1989 sind heute nur noch Eberhard Zimmer, Thomas Hofmann und Gerhard Feustel in der GmbH tätig.
Das zur Flur Bösenbrunn gehörende Acker- und Grünland wurde durch die Agrofarm von den privaten Besitzern und der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH), die das ehemalige Rittergutsland verwaltet, gepachtet.
Angebaut wird Getreide (hauptsächlich Gerste) und Futter. Die arbeitsintensiven Hackfrüchte (Kartoffeln und Rüben) sind von Bösenbrunner Fluren verschwunden.
Jedes 2. Jahr erfolgt die generelle Stillegung der Flächen. In dieser Zeit wird nur nachwachsender Rohstoff, d.h.
Raps zur Gewinnung von Biodiesel angebaut
Außerdem werden durch Landschaftsschutzmaßnahmen, wie das Baumpflanzprogramm die Anbauflächen reduziert.
Am 14.01.1992 begann die Familie Himmer mit dem Erwerb des ehemaligen Rittergutsstalles einen landwirtschaftlichen Betrieb neu aufzubauen. Die erforderlichen Flächen pachtet sie von der BVVG.
Rittergut Bösenbrunn