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Entwicklung der Infrastruktur
Wasser
Die Wasserversorgung erfolgte ursprünglich durch Hausbrunnen, die sich meist in den Kellern der jeweiligen Häuser befanden. Desweiteren gab es zwei Gemeindebrunnen. Der erste lag auf dem Flur von Ernst Willi Kuhn, an der Straße nach Bobenneukirchen und wurde 1919 vom Wegegemeindeverband errichtet. Der zweite befand sich neben Rödel in Richtung Sachsgrün.
Sie lieferten jedoch auf Grund der geringen Tiefe mangelhaftes Wasser und waren in trockenen Zeiten unzuverlässig, so dass bereits Privatwasserleitungen verlegt wurden. Sie pumpten das Wasser zur Bedarfsstelle. Um so verständlicher ist es, dass die Bauern 1933/34 zum Bau einer öffentlichen Wasserleitung drängten.
Geplant wurde ein Hochbehälter mit 9ccm Fassungsraum und 19 Hausanschlüsse. Dafür sollen Quellen in 2m bis 2,50 m gefasst werden. Ebenso ist ein breiter Schutzstreifen, auf welchem jegliche Düngung und Beweidung unterbleiben muß vorgesehen
Die Quellgrundstücke gehören Max Hofmann. Der Schutzstreifen greift in das Flur st. des Hern Gustav Rödel ein.
Die tiefliegenden Gehöfte sollen von der Quelle des Hern Emil Roth Flurst. 46 versorgt werden. Für den täglichen Wasserbedarf werden 19 cbm benötigt. Berücksichtigt wurde auch, dass im Ort 6 Teiche vorhanden sind.
Dieses Vorhaben wurde anfangs vom Arbeits und Wohlfahrtministerium abgelehnt. Doch um den Viehbestand durchzubringen und damit die Sicherung ihrer Existenz waren die Bauern fest entschlossen zu Kämpfen. So fand das Anliegen schließlich doch noch Zustimmung und der Wasserleitungsbau konnte am 19. März 1935 nach Eingehen aller Genehmigungen offiziell beginnen. Die Ottengrüner Bürger gruben bereits im Winter 1934/35 einen Strang. Die Leitung wurde am 18. Juni fertiggestellt.
Die Gesamtkosten wurden mit 12800 RM veranschlagt. Die tatsächlichen Kosten betrugen 13314,23 RM. Die Finanzierung erfolgte durch:
ein Darlehen des Arbeits und Wohlfahrtsministerium
einen Zinslosen Kredit des Landesarbeitsamtes
Grundförderung, Eigenmittel
Notstandsarbeiter bein Bau der Wasserleitung waren:
Günther Richard, Haußner Hans und Schmidt Paul.
1936 wird der Wasserbedarf gedeckt aus;
Gemeindewasserleitung 90 Einw. 72%
Private Leitung 20 Einw. 17%
Brunnen 15 Einw. 11%
Die Wassergewinnungsstelle lag im "Erlicht" ( ein Wiesengrundstück). Die Ergiebigkeit der Quellen betrug 20 cbm. täglich.
1939 kostete 1 cbm Trinkwasser 17 Pfennige.
Zwischen 1940 und 1945 wurde die Leitung erstmals erweitert. Im März 1943 erfolgte der Antrag auf Anschluß des Rittergutes an die Wasserleitung. Das war notwendig, weil die private Leitung des Rittergutes schadhaft war, so dass die Versorgung von 41 Stck. Großvieh und 30 Stck. Kleinvieh sowie 13 Personen nicht gewährleistet war. Da die Leistung der Milchviehherde des Willi Decker weit über dem Durchschnitt lag war Dringlichkeit gegeben. Die Freigabe für 100m Leitung erfolgte im November 1943.
Für den Wasserleitungsbau wurde zwischen der Gemeinde und Willi Decker ein Vertrag mit folgendem Inhalt geschlossen:
Die Gemeinde genehmigt den Anschluß und trägt die Kosten bis an den Gutshof. Die übrigen Teile Willi Decker.
Wasser für den häuslichen Bedarf kann jederzeit entnommen erden. Für das Vieh galten bestimmte Zeiten.
2 Anschlußstellen (Zapfstellen) waren vorgesehen, eine in der Rittergutsküche und eine am Speicher mit 3 cbm. Weitere Anschlüsse waren verboten. Die Entnahmezeit an der Speicherzapfstelle war begrenzt (20°°-5°°)
Willi Decker zahlt an die Gemeinde einen einmaligen Betrag zum Bau der Ortswasserleitung. Dieser wird zur Erweiterung verwendet. Außerdem ist ein jährlicher Betrag zur Neubaurücklage, errechnet nach bestehenden Grundsätzen, fällig.
Die Kosten für die Versorgung des größten landwirtschaftlichen Betriebes, des Rittergutes, mit Wasser beliefen sich auf 4600,00 RM für den Bau + 556,00 RM für die Planung. Dazu Kamen noch Nebenkosten. Damit lagen die Gesamtkosten bei 5446,00 RM.
Die Vergrößerung des Hochbehälters auf 20ccm wurde mit folgender Begründung abgelehnt:
"Für den zusätzlichen Wasserbedarf von 3-7 cbm ist kein 20ccm Hochbehälter erforderlich. Eine geringfügige Vergrößerung des vorhandenen Hochbehälters wäre anzustreben."
1945 waren 21 Anwesen an der Gemeindewasserleitung angeschlossen. Der Ortsteil Eibigt wurde durch Brunnen versorgt.
Im Juli 1946 plante die Gemeinde die Vergrößerung des Hochbehälters, den Anschluß der Eibigt -Häuser, sowie das Fassen einer weiteren Quelle. Das Vorhaben wurde abgewiesen.
1957 war die Wasserversorgung nicht mehr ausreichend. Der Bedarf stieg auf 30cbm, 20cbm waren nur vorhanden.
1958 wurde die Wasserleitung erweitert. Anschluß fanden 27 Anwesen und der Stall. Die Anlage befindet sich südlich am Ortsausgang. Das Einzugsgebiet beträgt 0,5 km². Das Wasser wird aus einer Tiefe von 2-3 m in einen Hochsammelbehälter gepumpt. Das Rohrnetz hat eine Länge von 1600 m, davon wurden bis 1945 1200m verlegt danach 400m.
Wasseruntersuchungen erfolgten monatlich.
1963 befanden sich in Ottengrün: öffentliche Brunnen 2
Private Brunnen 5
Löschteiche 3
andere Teiche 1
Am 01.01. 1964 kam es zur Übernahme der TW-Anlage durch die VEB (K) Wasserversorgung und Abwasserbehandlung.
Im Mai 1964 erfolgte der Anschluß der Eibigthäuser an das Ortsnetz.
1967 wurde die Trinkwasserleitung neu verlegt.
1965/66 wurde im Zuge der Errichtung der Trinkwassertalsperre "Feilebach" ein Entwässerungsplan für Ottengrün errichtet. Es entstand ein Kanalisationsnetz mit Haupt und Nebensammler sowie Kläranlage wo 50% der Haushalte angeschlossen wurden. Der Standort der Kläranlage ergab sich aus der Geländeform. Die Eibighäuser blieben unberücksichtigt.
1971 wird in Verbindung mit der Abwasserreinigung und Beseitigung die Sanierung der Ortsteiche durchgeführt.
1993/94 beginnt der Kanalbau im Oberdorf. Baubeginn ist im April 1994. Im Mai 1994 soll der Anschluß an die vorhandene Anlage realisiert werden.
Der bereits seit 1978 durch die Gemeinde fischwirtschaftlich genutzte private Teich auf Flur 37 wurde am 05.01.1994 an Werner Muck aus Dröda verpachtet.
Pächter der Gemeindeteiche ist ab 01.11 1998 Rudi Großer aus Lottenreuth. Sein Vertrag läuft 12 Jahre.
1997 bekam Ottengrün einen neuen Wasseranschluß, da die Trinkwasserqualität nicht mehr den Anforderungen entsprach und der Druck nicht ausreichend war. Das Wassernetz wird nun vom Hochbehälter in Burkhardtsgrün gespeist.
Elektrizität
1922 schließt Ottengrün mit dem Elektrizitätswerk Pirk GmbH einen Vertrag über die Versorgung mit Energie.
Die Hauptleitung soll von Zettlarsgrün kommend in südöstlicher Richtung an Ottengrün vorbeigeführt werden und in einem Transformator, der zwischen Burkhardtsgrün und Ottengrün gesetzt wird, enden. Die Leitung bleibt im Besitz der Elektrizitätswerke Pirk GmbH.
Am 22 Dezember 1922 richtet die Direktion der staatl. Elektrizitätswerke Dresden an die Amtshauptmannschaft Oelsnitz ein Schreiben mit folgendem Inhalt: "Gegen die geplante Errichtung einer Hochspannungs-Freileitung nach den Gemeinden Sachsgrün, Burkhardtsgrün, Ottengrün und Zettlarsgrün bestehen keine Bedenken", wenn die Bedingungen von 1912 für die Zulassung elektr. Starkstromleitungen befolgt werden. Auch von Seiten des "Telegraphenbauamtes" wurden am 17.01.1923 keine Bedenken geäußert, wenn die Vorschriften bei Kreuzungen und Näherungen zu Telegraphen - und Fernsprechleitungen beachtet werden. So erfolgte die Genehmigung für die "teilweise Versorgung".
Mit der Bau-Ausführung ist die Elektrizitäts - Bau - Gesellschaft Plauen beauftragt worden.
Im Juli 1924 wird die endgültige Genehmigung zur Innbetriebnahme der "Hochspannungsanlage Riedelmühle-Dechengrün-Zettlarsgrün-Ottengrün-Burkhardtsgrün" erteilt.
Im Adressbuch des Oberen Vogtlandes von 1928 ist vermerkt, dass die Elektrizitätsversorgung von Ottengrün durch das Kraftwerk Westsachsen Betriebsdirektion Bergen i.V. abgesichert wird.
1964 und 1975 wurde die Straßenbeleuchtung erweitert.
Die Leitung kommt aus Richtung Zettlarsgrün, läuft weiter in Richtung Burkhardtsgrün. Im Unterdorf steht die Umformstation. Von hier aus geht ein Erdkabel zur Milchviehanlage.
Im Ort gab es außerdem Propangasversorgung, welche durch den Betrieb H. Methner in der örtlichen Konsumverkaufsstelle erfolgte.
Im Februar 1986 gab es Probleme mit der Energieversorgung, so dass das schwache Leiterseil auf einer Länge von 350 m verstärkt werden mußte.
Post
Noch zur Zeit der Reformation wußte man nichts über die Post. Damals wurden Pferde gehalten, mit deren Hilfe die Landesherren Nachrichten verschickten. In Tirol wurde 1460 die erste Post eingerichtet. Verantwortlich dafür war Lamoral Freiherr von Thurn und Taxis. In den einzelnen Kurländern galt das Postwesen als ein "Regal" ( Hohheitsrecht). Neben der kaiserlichen Post gab es die kurfürstlich Sächsische Post. Begründer der säsischen Post war Kurfürst August. Er richtete im Interesse des Landes Regelmäßige Botenposten ein. An bestimmten Punkten hielten die Gemeinden "Klepper" bereit. Unter Kurfürst Johann Georg I entstand die Post für Fürst und VOLK., also öffentlich. Sie erlitt jedoch große Störungen durch den 30-jährigen Krieg. Im Jahr 1692 kam in das sächsische Postwesen eine feste Ordnung. Die erste Postordnung wurde 1693 erlassen. 1721 unter August den Starken erfolgte die Setzung der steinernen Post und Distanzsäulen. Pferde von überall wurden gebraucht.
In Ottengrün fehlte lange die Voraussetzung, um am Postverkehr teilzunehmen. Nur wenige konnten Lesen und Schreiben. Mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht 1763 wurde die Grundlage geschaffen.
Von großer Bedeutung war die Eröffnung der Briefsammlung 1859 in Bobenneukirchen.
1871 erhält Ottengrün den ersten Briefkasten.
Mit der Inflation 1923 waren enorme Gebührenerhöhungen zu verzeichnen. Eine Neuerung im selben Jahr war der Unterhaltungsrundfunk. Die "Höhrergebühr" kassierte in Ottengrün die Post. Das Porto für einen Brief zwischen Ottengrün und Schöneck betrug zur Inflationszeit 1000,00 Mark.
Seit Mitte der 20 er Jahre hat Ottengrün eine eigene "Poststation". Das war eine Sammelstelle, die angefahren wurde, keine Poststelle.
1935 kostete der Brief von Oelsnitz nach Ottengrün 0,35 Pfennige.
Ab 1938 hatte Ottengrün eine eigene Poststelle. Bis dahin lief der Postverkehr über Bobenneukirchen. Auch der in Bobenneukirchen zuständige Postbote Franz Kätzel war für Ottengrün zuständig.
1945 ruhte jeglicher Postverkehr.
Zur Währungsreform 1948 frankierte man Postsendungen aus Ottengrün mit Beziksstempelmarken des Leitpostamtes.
Bei allen Postämtern wurden Umtauschkassen eingerichtet. Hier wurde das Altgeld in Geldscheine mit aufgeklebten Spezialcopun getauscht, welches als provisorisches Zahlungsmittel galt.
1953/54 wurde in Ottengrün das Lotto und Totospiel eingeführt.
Mit der Eröffnung, mitte der 20 er Jahre übernahm das Postamt Otto Hofmann, dieser war ebenfals Bürgermeister. Danach führte seine Schwiegertochter Ella Hofmann die Post bis Dezember 1969.
Dez. 1969- Dez. 1987 bei Renate Dölling
Dez. 1987-Nov. 1991 bei Waltraud Degenkolb
In der Poststelle befand sich auch das öffentliche Telefon und stand den Bürgern zu den Schalteröffnungszeiten von 8.15 - 9.15 zur Verfügung.
1961 wurde die Poststelle an das Haus der Fam. Knoll angebaut.
1991 wurde die Poststelle aufgelöst und Ottengrün wurde bis 1994 von Bobenneukirchen aus versorgt, danach von Oelsnitz.
Nach Schließung der Poststelle hatten die Bürger keine Möglichkeit mehr zu telefonieren, so wurde am 17.01.1992 der Antrag auf Errichtung eines öffentlichen Münzfernsprechers gestellt. Dieser konnte noch im selben Jahr in Betrieb genommen werden.