Bösenbrunn i.Vogtl.


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Bergbau

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Aus der Geschichte des Bergbaus

"Es geht ein Sprichwort im Munde der Bewohner des Sächsischen Voigtlandes, daß der voigtländische Hirte oft einen Stein nach der Kuh werfe, der mehr als die Kuh selbst werth sei. .."
Der vogtländische Bergbau wurde erstmals 1327 in der Urkunde über die Belehnung der Vögte mit dem Berg-und Münzrecht durch Kaiser Ludwig den Bayern erwähnt. Es wird jedoch angenommen, daß es die ersten bergbaulichen Versuche bereits im 8. oder 9. Jahrhundert gab.
Das Gebiet um Pirk, Schönbrunn, Bösenbrunn ist wahrlich unterwühlt worden. Noch heute finden wir auf unserem Territorium Zeugnisse des Bergbaus vergangener Jahrhunderte (Halden, Pingen, Tagebaue, Reste von Tageschurfen). In der Blütezeit des Oelsnitzer Bergbaus (1512-1518) wurden insbesondere in der
St.-Johannes-Zeche und in der St.-Burkhard-Zeche (Dockelsberg) Zinn abgebaut.

Die erste untertägige Urkunde des Bergbaus wurde in Form einer eingemeißelten Jahreszahl (1483) im Frühjahr 1921 am Ende eines Eisensteinstollens im Bereich der Flußspatgrube von Ebener und Schenk entdeckt.
Aufgrund des vogtländischen Bergbaus wurde in Oelsnitz 1511 ein Bergamt gegründet, welches- bis 1674 existierte. Eine Bergordnung zu Oelsnitz, Brunn (Schönbrunn) und Lauterbach, anno 1513, wies auf die Bedeutung des Bergbaus in dieser Region hin. Neben Zinn wurden später auch Kupfer, Eisen- und Magneterze sowie Flußspat gewonnen. Im Gebiet Schönbrunn waren von 1512-1990 ca. 13 Gruben vorhanden. Der Flußspatgang von Schönbrunn bei Oelsnitz (Dreifaltigkeitsgang) gehört zu den bedeutendsten Flussspatlagerstätten Sachsens.
Im Tagebau und im Schacht der "Ludwig Fundgrube" am Steigerhaus (Huthaus) wurde bis ungefähr 1870 Thuringit (Eisensilikat) abgebaut, welcher durch die Königin Marienhütte Cainsdorf ausgebeutet wurde.

Das Gruben- und Zechenregister aus dem Jahre 1763 von der Grube am Steigerhaus belegt das bergmännische Leben.
Auch die Grube "Ludwig vereinigt Feld" ("Kunst" genannt), die an der Planschwitzer Straße liegt, befand sich im Besitz von Cainsdorf. Der Abbau erfolgte hier vorerst in Tagebauen. 1928 wurde zur Flußspatgewinnung bis in 60 m, danach in 93 m und in den fünfziger Jahren bis zu 173 m Tiefe gegangen. Der Zentralschacht, der 1977 geteuft wurde, ermöglichte den Abbau bis zur 453 m Sohle.
Seit etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts gewann das Mineral Flußspat u. a. für die Hüttenindustrie große wirtschaftliche Bedeutung (Senkung der Schmelztemperatur der Eisenerze von 1350 °C auf 900 °C).

Die Produktion des begehrten Flußspates erfolgte bis Mitte der vierziger Jahre auch in den "Vogtländischen Flußspatwerken" (Ebener und Schenk) und dem Schönbrunner Flußspatwerk (Stengel am Floßpöhl) unweit der Grube "Ludwig vereinigt Feld".
Von 1934 bis 1941 existierte links im Tal zwischen Schönbrunn und Lauterbach eine Zinngrube. Um 1830 wurde in der Nähe ein Entwässerungsstollen für die Grube am Steigerhaus angelegt, der später durch die Hartsteinwerke für die Wasserabführung genutzt wurde.
Von Bernstein werden für die heutige Lagerstätte Schönbrunn bis 1945 folgende Förderzahlen genannt.
"Ludwig vereinigt Feld"
1868-1941 166571 t
1941-1945 20000t
"Vogtländische Flußspatwerke" 1921-1939 91284 t
"SchönbrunnerFlußspatwerke" 1921-1931 5000 t
Die Fördermenge an Flußspat von 1868-1990 betrug etwa 2 Millionen Tonnen. Eine Million Tonnen davon wurden bis 1980 und die andere bis 1990 abgebaut. Mit dem Flußspat gewannen die Bergleute etwa 300 t Kupfer und in Verbindung mit Kupfer auch 30 kg Silber und 300 g Gold. Uber 30 Jahre, bis zum 30. Juni 1953, befand sich die Grube "Ludwig vereinigt Feld" in Privatbesitz der Familie Klinghammer. Am 1. Juli 1953 wurde sie in Volkseigentum überführt und später Betriebsteil des VEB Wolfram-Zinnerz Pechtelsgrün und Kombinate. Die Zahl der Beschäftigten stieg von 10 Bergleuten 1930 auf 220 in den siebziger Jahren, die bis 1990 annähernd blieb.

Die Erzeugnisse des Betriebes wurden in Groß-, Körner-, Faust und Kopfgröße an Stahlgießereien innerhalb und außerhalb des Landes geliefert.
Mit der Wende 1989 wurden die Arbeitskräfte stark reduziert und 1990 wurde der VEB Fluß- und Schwerspat Lengenfeld, Betriebsteil Schönbrunn, in eine GmbH umgewandelt.
Die Förderung des letzten Huntes erfolgte am 31. Januar 1991. Danach wurden mit ca. 35 Bergleuten Verwahrungsarbeiten durchgeführt.
Die Größe des Grubenfeldes betrug zirka 18 km. Durch das Abwerfen der Grubenbaue unterhalb der 453 m Sohle und dem Vorhandensein von Thermalwässern bietet sich die Nutzung dieser Wässer für die Anlegung eines Thermalbades an. (Wassertemperatur 33,5 °C, 23 °C Raumtemperatur, in einer Minute 3500 l Wasseranfall, Alter des Thermalwassers 10000 Jahre).

Seit dem 1. März 1993 sind die Hartsteinwerke "Vogtland" GmbH Besitzer des ehemaligen Betriebsteiles der Fluß- und Schwerspat GmbH Lengenfeld. Diese verfolgen sowohl die kommerzielle Nutzung als auch die Vorbereitung für einen Touristik- und Freizeitbereich.
Vielen Schönbrunnern gab der Bergbau in mehreren Jahrhunderten Arbeit und Brot, wenn teilweise auch ein karges. In Bedeutung des vogtländischen Bergbaus legte die Kreisorganisation des Kulturbundes Oelsnitz Anfang der achtziger Jahre einen Lehr- und Wanderpfad an.

Betriebsleiter der ehemaligen Schönbrunner Grube
1921 Alois Hartmann
1928-1953 Karl und Emil Klinghammer
1953-1975 Egon Könnecke
1.6.1975-1985 Eberhard Engler
1986-1990 Ulrich Müller
ab 1. 7. 1990 Werner Netzel
seit 1994 geschlossen.



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